Peter Gaymann. Zwischen Hühnerstall und Herzklopfen
Cartoons vom Mensch, dem Huhn und der Wahrheit dazwischen.

Wir laden Sie herzlich ein zur Ausstellung
Peter Gaymann. Zwischen Hühnerstall und Herzklopfen
Cartoons vom Mensch, dem Huhn und der Wahrheit dazwischen.
19. April bis 20. Juni 2026
Was haben Hühner mit Herzklopfen zu tun? Bei Peter Gaymann eine ganze Menge. Denn wo seine Figuren auftreten, geht es immer um uns: um Liebe und Missverständnisse, um Eitelkeiten, kleine Schwächen und große Gefühle.
Geboren 1950 in Freiburg im Breisgau, beschloss Gaymann nach seinem Studium der Sozialpädagogik – angeblich bei einer Tasse Kaffee –, seiner künstlerischen Leidenschaft zu folgen. 1976 machte er sich als Cartoonist selbstständig. Eine Entscheidung mit Erfolg: 2019 erschien sein 100. Buch, viele seiner Veröffentlichungen wurden Bestseller. Seine Cartoons prägten Magazine wie Brigitte, in der er 30 Jahre lang mit der Reihe „Die Paar Probleme“ treffsicher das Zusammenleben von Mann und Frau kommentierte. 2014 gestaltete er – nach Janosch und Loriot – Osterbriefmarken für die Deutsche Post in einer Auflage von 70 Millionen Exemplaren.
Sein unverkennbares Markenzeichen sind die Hühner. Mit wenigen Strichen verleiht Gaymann ihnen menschliche Züge – mal verliebt, mal selbstbewusst, mal herrlich überfordert. Doch hinter dem humorvollen Federvieh steckt mehr als nur ein Gag: Es ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Gaymann lacht nicht über seine Figuren, sondern mit ihnen – warmherzig, klug und einem feinem Gespür für Zwischentöne.
Die Art Galerie Siegen lädt herzlich ein zu einer Ausstellung voller Witz, Charme und leiser Wahrheiten. Freuen Sie sich auf Cartoons, die zum Schmunzeln verführen – und vielleicht auch ein kleines bisschen ins Herz treffen.
Peter Gaymann. Zwischen Hühnerstall und Herzklopfen
19. April bis 20. Juni 2026
Vernissage: Sonntag 19. April 2026, um 11.00 Uhr
Zur Eröffnung sprach Noa-Kristin Strunk
„Humor verbindet“ – so formulierte es Peter Gaymann gestern Abend in einem beiläufigen Gespräch, als wir in kleiner Runde beim Italiener zusammensaßen.
Dieser zunächst unscheinbare Satz erweist sich bei näherer Betrachtung als ein zentrales Strukturprinzip seines gesamten Werkes. Humor verbindet nicht nur Menschen in konkreten sozialen Situationen, sondern, wie sich auch in dieser Ausstellung zeigt, die einzelnen Werkpositionen untereinander. Humor fungiert als vermittelndes Element zwischen Bild und Text, zwischen Werk und Rezipienten sowie zwischen individuellen Erfahrungen und kollektiven Deutungsmustern.
Die Arbeiten Gaymanns sind Ihnen vermutlich bereits vertraut; sie begegnen uns in zahlreichen Publikationen, auf Postkarten sowie in Zeitschriften. Hinter dieser breiten medialen Präsenz steht ein Œuvre, das inzwischen mehrere tausend Motive umfasst, Momentaufnahmen des Alltags, die in ihrer Vielfalt immer neue Perspektiven eröffnen.
Seine Cartoons verzichten bewusst auf eine schwer erschließbare Bildsprache und setzen stattdessen auf eine direkte, klare Darstellung, die es ermöglicht, sich unmittelbar in die gezeigten Situationen hineinzuversetzen und deren Aussage intuitiv zu erfassen. Diese Offenheit wird wesentlich durch seine künstlerische Formensprache getragen. Wiederkehrende Subjekte, Hühner, Menschen, Elefanten, fungieren als charakteristische Bildträger und sind in einer farblich prägnanten, einprägsamen Bildsprache ausgeführt. Durch ihre Wiederholung gewinnen sie an Wiedererkennbarkeit und tragen zur schnellen Erschließbarkeit der Bildaussagen bei.
Getragen von der Leichtigkeit der Farbgebung entsteht eine visuelle Offenheit, die durch die Materialität der Werke, sowohl in Editionen als auch in Unikaten, zusätzlich verstärkt wird. Dadurch ergibt sich ein produktives Spannungsverhältnis zwischen formaler Reduktion und inhaltlicher Dichte: Die Bilder sind auf den ersten Blick erfassbar und entfalten zugleich eine weitere Bedeutungsebene.
Peter Gaymann, geboren 1950 in Freiburg, fand nicht auf direktem Wege zur Kunst. Zunächst studierte er Sozialpädagogik mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit. Bevor er sich Mitte zwanzig vollständig der Kunst widmete, arbeitete er bei der Badischen Zeitung, wo er regelmäßig Cartoons veröffentlichte und dabei auch sein bekanntestes Motiv, das Huhn, entwickelte.
Diese Arbeitsweise bildet das Fundament seines künstlerischen Schaffens. Gaymann versteht sich selbst, wie er in einem Interview mit der ARD beschreibt, als genauer Beobachter: Er sammelt Eindrücke, speichert sie und überführt sie später im Atelier in pointierte Bildlösungen. Dabei entstehen keine linearen Erzählungen, sondern verdichtete Ausschnitte, Momentaufnahmen, die sich als Behauptungen von Situationen verstehen lassen. Sie regen dazu an, das Gesehene weiterzudenken und mit eigenen Erfahrungen zu verknüpfen.
Vor diesem Hintergrund wird auch der thematische Rahmen der Ausstellung nachvollziehbar. Bereits der Titel „Zwischen Hühnerstall und Herzklopfen“ markiert das Feld, in dem sich Gaymanns Arbeiten bewegen: zwischen Alltäglichem und Emotionalem, zwischen scheinbarer Banalität und existenzieller Erfahrung. Die dargestellten Situationen variieren entsprechend stark, bleiben jedoch stets an lebensweltliche Kontexte gebunden. Zentral für diese Wirkung ist das Zusammenspiel von Bild und Text. Die Sprechblasen stellen eine unmittelbare Verbindung zwischen visueller und sprachlicher Ebene her. Das vermeintlich Gesagte tritt in Beziehung zum Gezeigten und darüber hinaus zu den Erfahrungen der Betrachtenden. Bedeutung entsteht somit nicht ausschließlich im Bild selbst, sondern im Prozess der Rezeption.
In diesem Sinne fungieren die dargestellten Figuren als Spiegel alltäglicher Erfahrung. Sie verhandeln zwischenmenschliche Beziehungen, Routinen, Unsicherheiten und soziale Dynamiken. Dabei ist es nicht erforderlich, dass die gezeigten Situationen unmittelbar selbst durchlebt wurden; vielmehr genügt ihre strukturelle Vertrautheit. Die Szenen weisen Anschlussstellen zu Beobachtungen im eigenen sozialen Umfeld auf und spiegeln sich im nahen Bekanntenkreis wider. Das vermeintlich Individuelle – seien es Differenzen mit dem Partner oder der Partnerin – wird so in ein kollektives Erfahrungsfeld überführt. Die scheinbare Leichtigkeit dieser Arbeiten ist das Ergebnis eines präzisen künstlerischen Prozesses. Den exakten Moment zu treffen, in dem eine Szene kippt und ein Lachen auslöst, erfordert ein feines Gespür für Timing und Reduktion. Humor erscheint hier nicht als beiläufiges Element, sondern als analytisches Instrument.
Auch der Arbeitsprozess folgt dieser Logik: Ideen werden kontinuierlich gesammelt, mental archiviert und anschließend mit Feder, Tusche und Aquarell ausgearbeitet.
Ein besonders anschauliches Beispiel hierfür bietet das Titelmotiv der Ausstellung: Zwei Bäume erstrecken sich vertikal im Bildraum, der eine mit „Work“, der andere mit „Life“ beschriftet. Dazwischen spannt sich, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne, eine Hängematte, in der eines der charakteristischen Hühner mit Laptop liegt. Was zunächst als humorvolle Szene erscheint, verweist zugleich auf eine gegenwärtige gesellschaftliche Debatte. Der Begriff der „Work-Life-Balance“ wird hier in eine prägnante visuelle Metapher überführt. Zugleich zeigt sich darin, wie solche Bilder auch im Nachhinein durch gesellschaftliche Diskurse weiter angereichert und neu gelesen werden können.
Auch in Darstellungen des Alters, etwa in Motiven mit Rollatoren, übernimmt Humor eine zentrale Funktion. Er kann als Strategie verstanden werden, mit Unsicherheiten, Krankheit oder existenziellen Herausforderungen umzugehen. In der Verbindung von Distanz und Nähe entfaltet er sein Potenzial. Er ermöglicht Teilhabe, ohne zu trivialisieren, und schafft Empathie, ohne zu überfordern. Damit wird deutlich, dass die Arbeiten von Gaymann nicht allein auf Humor im Sinne des bloßen Witzes abzielen, sondern wesentlich von einer empathischen Dimension getragen sind. Sie bauen Berührungsängste ab und machen zugleich sichtbar, dass individuelle Erfahrungen stets in kollektive Zusammenhänge eingebettet sind.
Vita Peter Gaymann
Peter Gaymann, geboren 1950 in Freiburg im Breisgau gehört zu den erfolgreichsten und beliebtesten Cartoonisten in Deutschland. Nach dem Studienabschluss (Sozialpädagogik) in seiner Heimatstadt beschloss er seiner künstlerischen Leidenschaft nachzugehen. Er machte sich 1976 als humoristischer Zeichner selbstständig. Weit über hundert Bücher sind seither von und mit ihm erschienen – einige wurden Bestseller. Sein Markenzeichen sind die Hühner. Sie sind mit dem Kürzel P.GAY auf Postkarten, Kalendern, Postern und Radierungen der breiten Öffentlichkeit bekannt.
Veröffentlichungen und Serien in z.B. in TAZ, Zeit Magazin, BUNTE, GONG, u.a. eröffnen Peter Gaymanns Cartoons ein großes Publikum. Für die Frauenzeitschrift „Brigitte“ brachte er seit 1990 30 Jahre lang in der Reihe „Die Paar Probleme“ auf den Punkt. Die typischen Herausforderungen im Zusammenleben von Mann und Frau eben. 2014 wurde Peter Gaymann eine besondere Ehre zuteil. Nach Janosch und Loriot entwarf er für die Deutsche Post zwei Oster-Briefmarken in einer Auflage von 70 Millionen Exemplaren.
2013 initiiert er gemeinsam mit dem Gerontologen Thomas die Akton Demensch. Dabei nähert er sich dem sensiblen Themenfeld mit besonderem Fingerspitzengefühl und gesellschaftlicher Relevanz. Alljährlich erscheint seitdem ein Postartenkalender mit neuen Motiven, die auch in diversen Ausstellungen durch das Land touren. Als offizieller Botschafter des Bundesverband Kinderhospiz e.V. engagiert er sich seit vielen Jahren für schwerkranke Kinder.
Peter Gaymann hat zwei große Kinder und drei kleine Enkel. Erd lebt mit seiner Frau Viktoria Steinbiß-Gaymann am Starnberger See in einem umgebauten Gasthaus. Neben seiner Familie liebt er Italien, besonders Rom, wo er fünf Jahre gelebt hat.
Gaymanns Werke werden als Einzel- und Themenausstellungen im In- und Ausland in Galerien und Museen gezeigt:
- Wilhelm-Busch-Museum Hannover
- Bilderbuchmuseum Burg Wissem in Troisdorf
- Arp Museum Remagen
- Museum für Kommunikation Berlin
- Museum für Neue Kunst Freiburg
- Kunstmuseum Bayreuth
- Buchheim Museum Bernried u.a.